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Schneegestöber und Weihnachtslust

date: 4th December 2010 | 20.24 h

Wer meint, England und Schnee würden nicht zusammen passen, der hat sich zweifelfrei im Wort vergriffen, denn so kommt es, dass es nach anfangs mit Lächeln vernommener Schneewarnung am Dienstag, 30. November 2010, direkt am darauffolgenden Tag doch nennenswert vom Himmel hinab rieselte. Bedeutet im Westlichen für die Briten: Panik schieben und den Verkehr lahmlegen. Um klarzustellen, weswegen wir ausländischen Schüler dieses Verhalten als äußerst kurios und übertrieben bezeichneten, muss ich dazu sagen, dass es sich bei dieser abnormalen „Schneemasse“ um gerade einmal erreichte 5 Zentimeterchen handelte, was letztlich auch zur Folge hatte, dass unsere liebe Barton Court Grammar School ihre Tore, im Gegensatz zu vielen anderen Schulen in Canterbury und Umgebung, für Mittwoch nicht schloss, sondern die ach so armen Schüler in der gepuderten Kälte bibbern ließ. Dennoch war das bisschen Schnee Thema Nummer eins, alle flippten komplett aus, ebenso der Verkehr und die Geschäfte und so kam es, dass ein größeres Kaufhaus in Canterbury einen Zettel an den Eingang hing, der besagte „Aufgrund der Wetterverhältnisse schließen wir heute um 16.00 Uhr“. Auf gut deutsch mag dies wohl bedeuten: Endlich gibt es für uns einen irrsinnigen Grund, früher Feierabend zu machen. Der Schnee als Ausrede für Faulheit? Klingt auf den ersten Blick vielleicht  etwas harsch und böse, kann jedoch mit der überaus makaber organisierten Verkehrsstruktur der Engländer erklärt werden. Werden bei uns 70 Euro (bei den Engländern also etwa 70 Pfund dann) bei einer Kontrolle abgeknüpft, wenn nicht gesetzgemäß Winterreifen aufliegen, befindet sich dieses Wort, ebenso wenig wie vernünftiges Streusalz und die Gehwegsicherheit, schlichtweg nicht im Vokabular der Engländer. Autobahnen werden gesperrt, Bürgersteige und Seitenstraßen werden von einer enormen Eisfläche bedeckt, die zwar zum Schlittschuhlaufen hervorragend wäre, beim normalen Laufen jedoch eher eine Vielzahl an Rutschopfern und Rückenbrüchen bedeuteten. Engländer wären aber nicht Engländer, wenn „Sicherheit nicht vorgehe“ (was natürlich die 3648738 Kameras, die sich überall befinden, erklären würde) – so wurde am Donnerstag um 6.20 am Ortszeit Whitstable, via SMS den Eltern mitgeteilt, dass Schule heute leider leider ausfallen müsse, da weder Busse fahren würden, noch Straßen adäquat präpariert wurden. Hört sich schon nach einer kleinen Weltkatastrophe an, die danach ruft, alle Briten dazu zu bringen schnell zu Tesco zu hechten um eine Jahresration Baked Beans (gebackene Bohnen) und Sausages (Würstchen) in der Konserve zu horten, bevor der Winter ihre ersten Opfer fordert. Situationsbericht: Wir reden nun von 20-30 cm Schnee, was in der Tat und ohne einen gehässigen Unterton, schon nicht wenig ist. Im genauen hießen diese Zahlen jedoch schneefrei für die Schüler und  Arbeit von daheim aus für alle  Arbeitnehmer – nicht schlecht also!

Die Winterkulisse, die dieser Blitzschnee brachte, war jedoch wirklich der Rede wert, Whitstable versank einfach mal so mir nichts dir nichts in einer vorweihnachtlichen weißen Welt, in der leider auch am 2. Dezember noch die aus Deutschland bekannte weihnachtliche Dekoration und Stimmung fehlte. Überhaupt wird Weihnachten hier nicht gerade groß geschrieben, während man sich in Deutschland über die doch viel zu kitschigen Hausbeleuchtungen, die dutzenden Dekorationsartikel und den dauernden Duft nach Tanne, Orangen, Zimt oder Plätzchen fast schon aufregt, irgendwann sei doch auch genug des Guten, könnte man voll all dem hier eine Prise gebrauchen um den Schnee zu dieser Jahreszeit etwas mehr zu genießen. Aber nein, nicht nur, dass die Engländer am 25.Dezember erst Weihnachten feiern (Ihre Begründung: In dieser Nacht kommt halt der Weihnachtsmann. Jesus? Was hat Jesus mit Weihnachten zu tun?), ich musste leider bereits die Erfahrung machen, dass die Quantität der Geschenke und die Qualität des Truthahnsbraten die wichtigeren Aspekte statt des vertrautem Beisammensein, der Spaß am Beschenkens und die gemeinsame Vorfreude eben mit diesen kitschigen Dingen wie Weihnachtsmarkt, Plätzchenbacken, Weihnachtsmusikhören, Tannenbaumschmücken, durch den Schnee laufen und, und, und, für die Briten sind. Jeder Kultur ihre eigenen Traditionen heißt es da und sich selber für sein Zimmer einen schönen 1,75 Pfund teuren Weihnachtsstern von Tesco kaufen; die Winterlandschaft derzeit lädt einfach dazu ein, sich auf Weihnachten zu freuen (eben auch, weil ich dann wieder meine Liebsten in die Arme schließen kann und Deutschland für 2 Wochen wieder ganz nah bin :-)).

Dass die ausgeprägte Weihnachtsfröhlichkeit eine typisch deutsche Angelegenheit ist, wurde uns auch am Freitag bewusst, an dem wir, weshalb auch immer, ohnehin einen schulfreien Tag feiern konnten und diese Gelegenheit nutzten London einen Besuch abzustatten. Die Schneeverhältnisse hatten sich im Morgen leicht verbessert, wobei einen Tag zuvor noch immer alle Busverbindungen abgesagt wurden, eben wegen der allgemeinen Sicherheit versteht sich. Das ungute Gefühl, eventuell doch im Schnee vergeblich auf unseren NationalExpress Richtung London Victoria Station zu warten, verließ Michelle und mich nicht, bis, mit 10 Minuten Verspätung, endlich der Reisebus ankam, in ihm nur etwa 5 weitere Menschen, die sich bei diesen unglaublichen Wetterverhältnissen (Achtung: Hyperbel), wie wir, auf die Straße getraut hatten. Allein die Busfahrt war schon ein Event: kitschige Weihnachtsmusik (man beachte, wie häufig das Wort „kitschig“ im Gebrauch einer weihnachtsverrückten Deutschen fällt, wenn es tatsächlich um Weihnachten geht) im Ohr, Vorfreude auf ein verschneites London in der Adventszeit und eine weißen, wenn auch sichtarme Fahrt durch ganz Kent. Angekommen in London konnte man unsere Reaktion eher Enttäuschung nennen, war die Weltmetropole doch völlig schneelos und grau, der Schnee äußerte sich nur höchstbescheiden in einigen, kleinen Häufchen am Straßenrand. Da negatives Denken weder zu meinen, noch Michelles Stärken zählt, nahmen wir gut gelaunt unsere Beine in die Hand um die Oxford Street ausfindig zu machen und unserem vorweihnachtlichen Shoppingwahn zu frönen (Randbemerkung: Wir waren beide bereits auf dieser Einkaufmeile, eigentlich müsste uns allein unser weiblicher Instinkt zu diesem Ort führen). Was wir leider bei dieser letztendlich zeitaufwendigen Expedition feststellen mussten war erstens, dass die Investition in einen Stadtplan keine schlechte Idee gewesen wäre, zweitens dass London riesengroß ist und drittens, dass man unter keinen Umständen auf Biancas unglaublichen Orientierungssinn vertrauen sollte (Liebe Mama, jetzt weiß ich auch, wieso ich früher so oft verlustig gegangen bin – das lag nicht an mir, ich konnte einfach nicht anders!). Nach 263525 Umwegen und 1 ½ Stunden später, wir hatten in dieser Zeit eher unfreiwillig den Big Ben, Hamleys (einer der größten Spielzeugläden der Welt) und das Sexshop-Viertel gesehen, fanden wir schließlich endlich die Oxford Street! Weihnachtsstimmung? Auch dort eher mäßig aber wie auch immer, wir hatten nach dutzenden Kaffees, einer kältebedingten gesunden rosa Gesichtsfarbe und gefühlten 1000 km Laufweg später genügend Motivation uns ins Getümmel hineinzustürzen und unsere wichtigsten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Pustekuchen, leider war die Auswahl und das Gedrängel so enorm, dass nicht mehr als ein Schal für Michelles Gastmutter herauskam, was unserer Stimmung keinen Abbruch tat, immerhin waren wir in Englands schönster Stadt (diese Meinung vertrete ich bis heute, auch wenn wenig Britisches an London ist) und man kann sich auch ohne Schnee und Masseneinkäufen gute Laune machen – zum Beispiel im Hyde Park, der zu dieser Jahreszeit  wie ein riesiger leuchtender Weihnachtsmarkt aufgebaut ist, oder eher wie eine Mischung aus kitschiger amerikanischer Weihnachtskirmes, viel zu lauter Musik und deutschem Weihnachtsmarkt, mit einer „bayrischen“ Après Ski Hütte, Glühwein, Sauerkraut, gebrannten Mandeln und deutscher Schlagermusik (letzteres brauche ich in London ehrlich gesagt nicht unbedingt). Wenn das ganze auch wenig englisch war, so haben sich allein die gebrannten Mandeln für einen Besuch in London mehr als gelohnt und einen schönen Tag noch schöner gemacht :-).

Da ich schon eine ganze Weile nicht mehr geschrieben habe, soll dieses kurze Resümee all denen, die sich für meine Zeit hier interessieren, und das hoffe ich doch sehr, immerhin habt ihr bis hier hin fleißig gelesen, einen Überblick verschaffen, wie es mir hier so geht, was passiert und wieso Deutschland doch das schönere Land zum Leben ist.

Vorneweg möchte ich sagen, dass der britische Akzent und die englische Sprache nicht nur großartig klingt, sondern auch verdammt cool ist und ich die beste Gastfamilie habe, die man sich nur vorstellen kann. Ich verbringe hier eine ganz schöne Zeit, gebe zu viel Geld für Starbucks-Kaffee aus und lerne so viel für die Schule wie noch nie in meinem Leben, was hoffentlich meiner Oberstufenzeit positiv zugute kommt (davon gehe ich aus ;-)). Irgendwann im Oktober war auch Halfterm, also so etwas wie einwöchige Herbstferien, in denen ich den lieben Mark, einen Bekannten aus England, in Exeter besucht habe. Insgesamt 14 Stunden Busfahrt (Hin und zurück) haben sich dabei mehr als gelohnt. Exeter ist eine tolle Stadt und leider haben mir diese Tage klar gemacht, dass ich es doch ziemlich bereue, nicht dort auf ein College gegangen zu sein, nicht nur, dass ich nicht von 30 Deutschen umgeben gewesen wäre, auch ist Exeter sowohl von der Größe als auch von der Optik ansehnlicher als Canterbury und Devon würde ich aus dem Bauch heraus Kent vorziehen. Aber um keine Wehmut aufkommen zu lassen, meine Sprache verbessert sich so langsam auch endlich (sowohl Englisch, als auch Französisch (French Higher Level sei dank)), London ist nur 1 ½ Stunden entfernt und liebe Menschen habe ich hier auch schon getroffen. Resultat: Mir geht es hier gut, aber Deutschland ist einfach schöner.

Cheers mates,

Bianca x

 

4.12.10 21:24


„England hat gegen Amerika klar die Nase vorn“

date: 7th oct 10 | 20.56 h

Eine sehr willkürliche Aussprache, wenn man bedenkt, dass meinereins zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel weiter als Tunesien oder dem ehemaligen Osmanischen Reich war, aber dennoch höre ich die Frage „Wieso England und nicht Amerika?“ von unglaublich vielen Menschen, quasi vor dem ersten „Hallo Bianca“-Satz. Erschreckend, denn beim direkten Vergleich mit den Staaten, sieht das hübsche Königreich hier alles andere als schlecht aus und genau deshalb sehe mich nahezu gezwungen zu diesem doch sehr heiklen Thema Stellung zu nehmen.. (Vorneweg: ich kann nur ERAHNEN, wie die USA ist, aber vorurteilende Gründe hat doch wohl jeder – wer nicht soll sich bitte umgehend bei mir melden (; ) Arbeiten wir uns langsam oben nach unten und starten bei dem Wetter. Regen ist so das typische britische Wetter, das möchte ich, insbesondere weil es hier seit 2 Wochen ununterbrochen schüttet und grau ist, keineswegs leugnen, aber doch diese kleinen Fehler sind es, die das Charisma, den Charme eines Landes ausmachen, die ihm seine eigene Note verleihen. Dass Regen und grau depressiv machen kann ich hier nirgends zu beweisen finden, die Menschen sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und höflich, dass man in bei jeder anderen Landesgruppe Angst hätte, auf einer glibbrigen Schleimspur auszurutschen. Nicht aber bei den Briten, die unheimlich authentisch sind. Amerika ist riesig, da gibt es Alaska und Florida und das Wetter macht eher nicht durch seine typischen Züge, sondern durch Klimakatastrophen Schlagzeilen. 1:0 für England. Die Sprache ist der nächste Punkt, britisches Englisch ist anfangs nicht einfach zu verstehen, aber wunder wunder schön. Es hat etwas cooles, unbekümmertes, die Frauen klingen sehr feminin und im Englisch amerikanischer Filme konnte ich nie erkennen, dass man in diese Sprache so viele Emotionen verpacken kann. Da geht die Stimme nicht so amüsant hoch und runter, als hätte die Dame auf der anderen Straßenseite gerade etwas Seife verschluckt. 2:0 für England. Weiter zum Essen. Gibt es in Amerika hauptsächlich Mc Donalds, Hot Dogs und fettige Donuts glänzt Großbritannien mit unheimlich leckeren Fish and Chips (der Fish im Buttered Fish wird ja wohl gesund sein? Und in Chips waren auch mal Kartoffeln!), Sandwiches (zum Teil mit „Vollkorn“ und eigentlich immer mit Salat!) sowie dem traditionellen Sunday Roast (Gemüse als Beilage!!!), nicht zu vergessen trinkt der Engländer Tee statt fettigem Latte Macchiato Caramel! 3:0 für England. Ich könnte noch so weiter machen bis es 282392737:0 für England steht, aber das wäre zu viel des Guten. Für mich ist und bleibt England ein überragendes Land, europäisch, aber ganz eigen, stilvoll, traditionell, frisch. Außerdem ist das das Land von Shakespeare (gut, das ist kein Argument, der Typ wird bei den ganzen Analysen auch zur Qual), Harry Potter (ooooh ja!), den Beatles (was ist Eminem dagegen?) oder David Beckham. Traut sich jetzt noch jemand dagegen zu wettern? ENGLAND ROCKS!!!

Wochenenden hier in England sind ohne Zweifel noch immer wundervoll, entspannend, aufregend, vorfreudeerregend! Letztes hieß es „Schlendern“ durch Canterbury, die Nachbar-, Studenten- und Barton Court Grammar School- Stadt, die laut Google unglaubliche 160 Pubs besitzt, die am Wochenende absolut überfüllt sind, aber eine typische englische Feier-Stimmung mitbringt, die absolut mitreißend und einmalig ist. Man muss sich einfach eine historische Altstadt vorstellen, geschlossene Geschäfte und dutzende Pubs aneinandergereiht, aus denen Musik, gut gelaunte Stimmen und andauerndes Gelächter dringen, ein Szenarium, das von weiter weg betrachtet, im Rahmen von Fisselregen, der erst durch die Laternen der Fußgängerzone und den Beleuchtungen aus den Lokalen sichtbar wird, einmalig und total charismatisch für England wirkt. Klingt kitschig, hat aber in der Tat unglaublichen Charme. Samstag darauf ging es mit meiner ganzen Gastfamilie zum Shoppen in irgendein Einkaufszentrum in der Nähe, um für Bronwen und Merris neue Stiefel zu kaufen. Einfach gesagt, als getan, wenn beide unbedingt „Clic-Cloc“-Schuhe haben möchten und darauf absolut bestehen. Nachdem Bron ein Paar fand, das Jo jedoch garnicht gefiel, mussten wir sogar noch nach Canterbury fahren um bei Deichmann (Von da habe ich übrigens auch meine Gummistiefel :D) nach weiteren Schuhen zu schauen. Schade nur, dass klackernde Schuhe nicht für Minifüße hergestellt werden, so kamen letztendlich ganz einfach schwarze Kinder-Boots heraus ... Ob ich auch so schwierig war mit 6? ;-)

Ansonsten dominiert Schule hier mein Leben, zwischen Essays, Assesments, Exams und Homework, gibt es eigentlich nur noch die Kaffeemaschine im Commonroom und die Breaks, die man am liebsten entspannt musikhörend verbringt. Die Schüler haben hier eine ganz andere Einstellung zum lernen, so bleiben sehr sehr viele nach der Schule noch im IB-Centre um an den PCs (jeder hat seinen eigenen Account, seine eigene Schul-Email-Addresse, etc) Hausaufgaben oder Recherchen zu betreiben. Klingt extrem, ist hier aber ganz normal und bringt mich, Anti-Lerner, tatsächlich zum Hausaufgaben machen (die werden nämlich in jedem Fach nach jeder Stunde eingesammelt) und zu lernen (TESTS ON MASS!!!). Sowas lerne ich effektives Lernsystem, auch wenn es schon einmal anstrengend sein kann, aber wir sind hier ja auch nich in Amerika (verzeiht!).

Zum Schluss möchte ich mich noch inständig dafür entschuldigen, dass dieser Eintrag so spät kommt, ich hab einfach eine kurze Kreativpause gebraucht. Und bei den Fotos gebe ich mir alle Mühe, nur leider akzeptiert das System derzeit keine Bilder ... Ich arbeite dran!

Wow, kurz vor 9 und ich bin wahnsinnig müde, sieht so aus als würde das ein kurzer Abend werden. Schreibt mir gerne weiter fleißig ins Gästebuch!

 

Good night and cheers

Bianca

 

7.10.10 21:56


Zwischen Papst, Big Ben und Oxford Street

date: 23th September 2010 | 22.17 h

Da ist man 211 Tage in England und kaum fährt man das erste Mal während seines Aufenthalts in DIE It-Stadt, in DIE Metropole schlechthin, in DIE essenspreisezerfressende Hauptstadt, ist doch glatt Papst Benedikt XVI auch in der Stadt und das auch noch OHNE Absprache. Wir hätten uns absprechen sollen und am Express Tesco gegenüber vom Big Bens treffen sollen, immerhin muss er mit mir kein Englisch reden. Wobei, nach den ganzen Attentatdrohungen kann ich getrost sagen, nicht unglücklich darüber zu sein, dass er mir aus dem Weg gegangen ist.

London ist eine wundervolle Stadt, voller Leben, voller Boutiquen, voller Touristen, voller Emissionen. Freitagnacht (7.07 a.m.) ging es los, von ‘Whitstable Tesco‘ ging es mit dem Bus nach Canterbury und von dort aus geradewegs nach London. Mit von der Partie waren S und K, die, genauso wenig wie ich, anfangs ahnten, was für einen kuriosen aber durchaus amüsanten Tag man in London verbringen kann. Nach etwas über einer Stunde brachte uns der schlechtklimatisierte, aber durchaus komfortable Reisebus nach London, eine Stunde später erreichten wir den Bussammelplatz im Zentrum und stiegen aus in ein wunderschönes, sonniges, frisches (gut, das war gelogen) London. Euphorisch starteten wir einfach los, in Richtung Irgendwo, irgendwo, wo uns unsere Beine hinbringen wollten. Tatsächlich setzten wir uns diesen Leitsatz zur Devise, immerhin fahren 3 Mädels nicht mitten in der tiefsten Nacht mit dem Bus um mit einer Gruppe sightseeing-gieriger Japaner, Franzosen und Deutschen im epilepsie-riskanten Blitzlichtgewitter die Geschichte der Tower Bridge zu entdecken. Nicht, wenn die Außentemperatur unglaublich 20 °C beträgt und die Sonne scheint, als wäre man gerade am Mittelmeer. Und schon garnicht, wenn man Primark, River Island und Chinese Take-Aways direkt nebenan liegen. Behaglich, jar nicht zu schnell und etwas verloren in der Stadt der Queen, kamen wir, eher rein zufällig, zur Westminster Abbey (Onkel Wiki sagt: Westminster Abbey (deutsch: Abtei von Westmünster, Westmünsterabtei; eigentlich The Collegiate Church of St Peter, Westminster) ist eine Kirche in London. Traditionell werden hier die Könige von England (später britische Monarchen) gekrönt und beigesetzt.). Schnell einige Pseudo-Touristen-Fotos geschossen und ab Richtung Themse, Richtung Big Ben, Richtung Express Tesco für ein Sandwich-Frühstück (man muss auch immer seinen Geldbeutel betrachten!).  Gewappnet ergatterten wir uns mehr oder weniger mühsam eine schöne Bank am Fluss mit grandiosem Blick auf den Big Ben (Onkel Wiki erneut: Der Name Big Ben (engl. Kurzform für ‚großer Benjamin‘ ) bezeichnet die mit 13,5 t Gewicht schwerste der fünf Glocken des berühmten Uhrturms am Palace of Westminster in London und nicht, wie gemeinhin angenommen, den Uhrturm selbst. Dennoch wird der Begriff sehr häufig auch auf die Uhr oder den Uhrturm angewandt. Der Glockenschlag von Big Ben gilt im Volksmund als The Voice of Britain (Die Stimme Britanniens)).

 47836 deutsche Touristen später und typisch englisch gestärkt beschlossen wir uns in Richtung Einkaufsmall aufzumachen um unser ganzes Taschengeld für sinnlose Dinge, Schuhe, Taschen und Kleider auszugeben. Schön und gut, an abgezäunten Anti-Kriegs-Demonstranten mit ihren Zelten und Plakaten, dem Buckingham Palace und einem Royal Park vorbei, erreichten wir endlich den Traum eines jeden Mädchens: Die Oxford Street. Etwas in Trance (ACHTUNG: Übertreibung) ging es von einem Geschäft ins nächste, wobei ich mich in gefühlte 100 Schuhe verliebt habe und alle samt mit der Begründung: “Vielleicht nächstes Mal” zurücklegen musste (nächstes Mal bleibe ich unauffällig in der Bond Street stehen und suche mir einen potentiellen Financier, haha). Nachdem ich bei River Island endlich meine Traumtasche erstanden hatte (für unglaubliche 21 Pound (: ), sollte auch gleich die Schlacht, der gefühlte 3. Weltkrieg in Englands billigster Modekette beginnen. Primark auf der Oxford Street fordert hunderte Tote, tausende Depressive und Millionen Verletzte, jeden Tag und das nur, weil man T-Shirts für 4£ kaufen kann. Wer vor der Tür von Primark noch befreundet war, wird spätestens im Laden vor den Umkleidekabinen erfahren, was es heißt, in Feindschaft zu leben. So eine Warteschlange kann schon einmal um die drei Tage dauern, obwohl die Auswahl mehr als reichhaltig ist, deckt sich jeder mit Körben von Klamotten in den Größen 34-46 ein, Körperkontakt ist, im Gegensatz zum Basketball, hier mehr als gern gesehen, so scheint es. Wer keine Geduld hat, sich hinten bei der Schlange anzustellen, kann hoffen, einen Platz vor einem der überall hängenden Spiegel zu ergattern. Sich in aller Öffentlichkeit umzuziehen scheint kein Problem, wenn es darum geht, ein Schnäppchen zu ergattern. Tatsächlich sind die Klamotten alles andere als hässlich und billig und so kamen auch wir mit eher zufriedenstellenden Resultaten aus dem Laden.

 

Bei einer kleinen Pause wurde uns dann erstmals von Sidikas Mutter mitgeteilt, dass auch der Papst heute in London sei und es einige Anschlagsdrohungen gäbe. Wir sollten doch bitte die Westminster Abbey meiden, wo er erwartet wird (aufgepasst? Wo waren wir direkt am Anfang?). Gut soweit, unsere Frage, warum so viele Polizisten überall in London verteilt rumstanden, wurde mit dieser Information beantwortet, sehr viel sicherer fühlten wir uns jedoch auch nicht. Neben dieser „Schreckensmeldung“ (ich muss im Nachhinein sagen, wir sind doch ziemlich gut damit umgegangen, oder?) konnte man jedoch nicht überdecken, dass S und ich schon irgendwie ordentlich einen an der Klatsche haben und auf die bescheuertsten Ideen kommen. So wurden die Polizeiwagen mit ihren heulenden Action-Film-Sirenen von unseren unglaublich kreativen und schön anzuhörenden Beatbox-Rhythmen übertönt, die uns verwirrte Blicke einbrachten, welche ich jedoch als zu schüchterne Geste deuten würde, ich bin mir sicher die Leute hätten gerne dazu geklatscht oder gleich mitgebeatboxt, aber sie haben sich einfach nicht getraut  ;-).

Die Rückfahrt nach einem doch sehr sehr schönen Tag in der Hauptstadt entpuppte sich leider als etwas schwieriger und langwierig, so mussten wir in Canterbury ewig auf den „falschen“ Bus warten, der uns etwa eine halbe Stunde Fußweg entfernt von meiner Gastfamilie absetzte und uns dazu zwang zu laufen. Um quarter past twelve kamen wir dann nach einem 16-Stunden-Power-Tag an waren sehr froh, das die in Windeseile (20 Minuten) dicke blaue Luftmatratze bereits gestern durch unsere Lungenluft aufgeblasen wurde. Bis 1 p.m. schliefen wir mehr oder weniger ruhig, wurden nur ab 7.00 a.m. von meinen kleinen Gastschwestern, die es unheimlich witzig finden samstagmorgens herumzupoltern und zu schreien.

 

Schule nimmt hier leider den größten Part ein und ich muss gestehen, dass ich mir die Fächer etwas einfacher vorgestellt habe, aber sowohl Französisch, English Literature als auch Psychology sind doch anspruchsvoller und sehr viel Arbeit. Überhaupt erwarten die Lehrer hier, dass man sein gesamtes Leben, seine gesamte freie Zeit für die Schule opfert und von einem auf den andern Tag mal eben zwei englische Brooke-Gedichte von Beginn des ersten Weltkriegs analysieren soll. Warum auch nicht? Umso mehr genießt man die Free Periods, die Pausen, die Nescafé-Kaffemaschiene, an der wohl nur wir Deutschen Kaffee statt Kakao oder Tee kaufen und natürlich das ersehnte Ende, auf das jedoch ein Berg weiterer Hausaufgaben wartet. Auch wenn Fächer wie Theatre Higher Level, Maths Studies, Design Technology oder Theory of Knowleadge sehr entspannt ist, leben wir hier, wie auch in Deutschland von Wochenende zu Wochenende. Die sind nämlich jedes Mal ein Highlight.

Morgen noch einmal bis 2.40 p.m. in der Schule hocken und dann ist es endlich so weit: WEEKEND. Bedeutet für mich: Schokokuchen für Cecilie backen, abends Cecilie’s Birthdayparty und ansonsten halt Spaß haben mit Freunden und chilln (:

 

Bis zum nächsten Mal

Cheers!

 

 xx Bianca  

23.9.10 23:17


Englischer Fußball live - meine

date: 14th september | 23:00 h

Lesefaul? Klick hier.

Ob Wochenenden in Deutschland oder hier in England, die Tatsache, dass sie die schönste Zeit der gesamten Woche sind, bleibt auf jeden Fall bestehen. Derzeit jedoch, wertet die Tatsache, dass ich mich gerade in England befinde und hier alles wunderschön entspannt und ganz neu ist, meine Freitage, Samstage und Sonntage erheblich auf. Vielen Dank dafür, Vereinigte Königreich.

Freitags, so ist Tradition, waren wir mal wieder in Whitstable am Hafen, beziehungsweise Strand. Mit dabei natürlich Sidika, Philipp, Katharina, Cecile(DK) und Esther(NL). Am (Stein-)strand Whitstables genossen wir den doch etwas frischen, aber schönen Abend an der Nordsee. Dabei begegnete uns zum Beispiel Hund „Seamus“, ein äußerst hässlicher, aber aufgeweckter Hund, der gefühlte 20 mal an uns vorbeilief und dessen Frauchen sich freute, uns 20 mal zu sehen. „Seamus“ ... Überhaupt scheint es hier in England Tradition zu sein, oder zumindest zum guten Ton zu gehören, seinen Hunden (mit denen übrigens niemand außer am Sonntag Gassi geht) die skurilsten Namen zu geben. Schön, mit dem Rufnamen „Sniffey“ hat das verfressene Hündchen meiner Familie noch echt Schwein gehabt, aber S’s Gasthund namens „Zyter“, der nichts besseres zu tun hat, als sich dauernd auf meinen empfindlichen Fuß zu stellen, ist wirklich exotisch. Zurück zum Freitagabend. Gegen 10.30 p.m. flossen so langsam alle auseinander, die einen, weil ihnen die Lust fehlte, die andern wegen Müdigkeit (um später bis 4 Uhr nachts mit L zu facebooken). Wie dem auch sei, war es ein toller abend mit tollen Menschen!

Der Samstag  verlief relativ entspannt. Zusammen mit S ging es via Bus nach Margate, einer etwas verwahrlosten Stadt nähe Whitstable mit tollem Sandstrand, einigen Läden sowie Primark (falls nicht bekannt: Onkel Google fragen!). Dort trafen wir L und G, zwei englische Jungs aus unserem Jahrgang, das Vergnügen haben gemeinsam mit uns Design Technology Higher zu haben (hihi). Zudem waren noch einige andere, zum Teil unbekannt, aber durchweg englische Gesichter mit von der Partie. Während wir die Engländer bei McDonalds absetzten, widmeten wir uns der femininen Lieblingsbeschäftigung: Shoppen! Und tatsächlich fanden wir auch das ein oder andere (für Pound-Verhältnisse sehr preiswerte) schöne Teil. Vollgepumpt mit Serotonin, dem Schokoladenhormon (was eine bescheuerte Bezeichnung), trafen wir die andern wieder am Strand. Da zeigte sich erneut, dass Engländerinnen in vielen Hinsichten, sich absolut von den Deutschen unterscheiden. Zwei von ihnen nämlich, tauschten in Windeseile ihre Shorts und Shirts gegen Bikini ein und das ist kein Scherz. Schwupps, da waren die beiden schon im Wasser und S und ich am bibbern (Vielleicht haben sie uns ihre Kälte einfach übertragen und unsere innere Wärme aufgenommen? Klingt paradox!).

Abends musste ich S erneut ertragen ( Scherz :-) ), da hieß es Mädchenabend, obwohl wir untypischsten Dinge für Mädels gemacht haben. Nach einer 45 minütigen Regenfahrt auf meinem Fahrrad und den komplett falschen Abzweigungen erreichte ich letztlich endlich S‘ Haus, die derzeit von einer Studentin „betreut“ wird, da ihre Gastfamilie Spaß daran fand, in den Urlaub zu fahren. Im gemütlichen Heim, mit dem ungemütlichen und äußerst hässlicheim Urlaub ist. Ich wurde zunächst von S übel bei Wii abgezockt (Ohne Flax, ich bin die die schlechteste Mario-Kart-Fahrerin aller Zeiten!!!). Da wir nicht zur Kategorie der Gamejunks gehören, fuhren wir schließlich, eher aus Langeweile zum nahegelegenen Supermarkt Sainsbury‘s, der nicht ansatzweise so groß und toll ist wie Tesco. Wie gesagt, war dieser Abend von unfraulichen und irrsinnigen Aktionen geprägt, so zum Beispiel, hatten wir unseren ersten Mc Drive mit dem Fahrrad, bei Regen, auf der verkehrten Seite, in England für einen 99 p teuren Cheesburger. Und ja: das ist ein Erlebnis, das auf die Liste der 10 Dinge gehört, die man vor seinem Tod tun sollte!

Am nächsten Morgen, Sonntagmorgen um genau zu sein, war es dann so weit: ich sollte endlich meinen ersten englischen Fußball sehen, und zwar Whitstable gegen Puckelmuckel (der Name ist mir leider entfallen). Luke, der Stürmer bei Whitstable war, galt es schließlich anzufeuern. Wenig enthusiastisch und etwas fehl am Platze, saßen wir, S, P, Stephan und ich, auf dem schönen grünen Rasen und betrachteten ein zugegebenermaßen äußerst langweiliges 3:2 für Whitstable. Dennoch: Das war mein erster englischer Fußball und bestimmt nicht der letzte (es ist amüsant, sich lästernde Kommentare von deutschen, 17jährigen Handballern anzuhören).

Wie nach jedem schönen Wochenende folgt an dem darauffolgenden Montag wieder die Schule. Der Tag begann mit Maths Standard bei einem mexikanischen Lehrer namens Mr Duran (1452561 x in einer Std „Is that okay, people?“ ), wo ich jedoch nicht lang blieb denn kurz darauf wurde ich auch schon wieder aus dem Unterricht genommen um wie gewünscht in den Studies Kurs zu wechseln. Zur Erklärung: Mathematics Higher Level ist oberstes Niveau, Maths Standard die Mittelstufe und Maths Studies für Volldeppen, die keine Lust auf Zahlen haben. Also war letzteres genau der richtige Kurs für mich, der zugegebener Weise mehr als einfach ist. Aber immerhin bin ich hier um meine Zeit zu genießen, in Deutschland werde ich eh und eh arbeiten müssen um dranzubleiben. Design Technology, ein weiteres meiner Higher Level, ist großer Spaß und beinhaltet hauptsächlich Product Design, was so viel bedeutet wie eine Mischung aus Werken, Marketing, Wirtschaft, Kreativität. In diesem Kurs sind S, Alexandra und ich die einzigen Deutschen und haben uns direkt den 2 Term – Bonus geordert (bedeutet so viel wie dauernde Gruppenarbeit, weil wir das IB nicht machen – übersetzt: Zeit genießen und entspannen). French als Higher Level ist schwieriger als gedacht und von Deutschen besiedelt. Madame Radix, ihres Zeichens britische Franzelehrerin,ist streng, aber man lernt eine Menge. Dieses Fach wird wohl das einzige sein, in dem ich mich wirklich anstrengen muss und das mir helfen wird, mich in meinem Französischkurs bei der netten Frau Kerber nicht vollends zu blamieren.

Endlich um 6.00 p.m. zuhause angekommen, gab es Dinner und kurz darauf wurde während meiner großartigen Bügeleinheit (na schön, Mama kann bedeutend besser bügeln :-P ) mit meiner lieben Miriam geskypt :-). Fühl dich auf diesem Weg von mir gedrückt, ich vermiss dich!

Heute war erneut ein ganz normaler Schultag, der jedoch Psychology beinhaltete, was mein neues Nervfach darstellen wird. Es ist so langweilig, mir sind heute fast die Ohren abgefallen. Vielleicht möchte ich nicht alles über den Menschen wissen. Zu neugierig zu sein und alles herauszufinden, zerstört immerhin den Reiz am Unbekannten (ich hätte Philosophie wählen sollen).

Morgen werde ich wohl noch einige Fotos, die am Wochenende entstanden sind in die Gallerie einfügen und es würde mich sehr freuen, wenn die Lesefaulen (die höchstwahrscheinlich bis hier hin nicht gelesen haben) mir eine Rückmeldung für die extreme Kurzfassung geben würden. :-)

Bis dahin,                                                                    

Cheers

Bianca

14.9.10 23:00


Im Dschungel der Tausend irrsinnigen Regeln

date: 9th September 2010 | 21:55 h

Vorneweg: meinen Kurztripp mit Stufenhälfte A ins Outdoor Centre Swattenden habe ich schon mal erfolgreich überstanden, was in der Tat nicht von Anfang an gewährleistet war..

Montag, den 9. September 2010, Abfahrt 7.30 Uhr Barton Court Grammar School Canterbury, ging es für rund 40 Schüler des 12. Jahrgangs für 2 Nächte nach Swattenden bei Cranbrook. Nach einer 1 ½ stündigen, wahnsinnig kalten Busfahrt kamen wir auf jenes Gelände, auf dem zwischen „waghalsigen“ Aktivitätsanlagen die Mansion und unsere damit beinhalteten Zimmer stand. Vorab wurden wir direkt von den 3 Lehrern, die uns auf diese Fahrt begleiteten, auf Zimmer eingeteilt, tauschen oder versuchen, etwas an dieser Aufstellung zu ändern ist zwecklos, der tötende Blick der Miss folgte auf den Fuß. So also wurde ich Teil eines 14-Betten-Zimmers, das neben einem Minispiegel nur eine Steckdose beinhaltete, die sich in einer Zimmerecke hinter einem Nachttischchen versteckte (dass 28 Frauen sich auch schon einmal vor dem Spiegel die Haare föhnen möchten ist im übrigen ein Gerücht!). Kaum also angekommen, wurden wir direkt in die unglaublich altersgerechten Regeln und Verbote eingeweiht:

  Nachtruhe und Licht aus um 10 p.m.

  1. Nachtruhe und Licht aus um 10 p.m.
  2. Jeder bleibt auf seinem Zimmer (auch unterhalb der Gleichgeschlechtlichen)
  3. Toast essen nach dem Dinner wird nicht gestattet
  4. Ohne Erlaubnis darf weder gespielt noch Sport getrieben werden
  5. Essen in der Kantine nur auf Kommando des Lehrpersonals
  6. Viel Essen ist verboten
  7. Hungert statt eine zweite Portion zu verlangen
  8. Lehrer haben immer Recht
  9. Mit Lehrern wird nicht diskutiert
  10. Bei Verstoß einer Regel folgt ein Schulverweis*

Am ersten Tag noch wurden wir in Gruppen, die „frei gemischt“ wurden, eingeteilt um mit diesen unsere weiteren Spielchen durchzuführen. Zu diesen Spielen gehörte zum Beispiel, dass in Zweiergrüppchen einer eine Augenbinde tragen musste und von dem anderen durch einen Parcours mitten im Wald geführt werden musste. Leichter gesagt als getan, so einfach ist das auf Englisch nämlich nicht. Nachdem mich Sidika eher erfolglos durch Bäume, Steine, Gestrüpp und Seile geführt hatte, ich mir mindestens zehn mal den Kopf an irgendwelchen Ästen, die im Weg hangen gestoßen und gegen 20 Baumstämme gelaufen bin, gab es um 12.30 Uhr Lunch in der Kantine. Tischweise wurden wir dort aufgerufen um uns unser Essen abzuholen. „Essen“ ... Fettdurchtrieft, wenig gewürzt und typisch Englisch traf es genauer und auch die mit Suppenlöffeln ausgestattete Salattheke machte diese Tatsache nicht gerade wett. Überhaupt waren die Mahlzeiten eine Angelegenheit für sich (und wer mich kennt weiß, dass ich nicht unbedingt kompliziert beim Thema Essen bin (-; ). Drei Mal täglich gab es eine warme Mahlzeit, zum Frühstück Bacon, Spiegelei, Beans, Kartoffelrösti und warme Tomaten. Dazu musste man sich das Toast in einem Toaster daneben selber toasten (was ein Satz...). Mittags und abends dann nochmal ordentlich schwere Küche und Nachtisch. Immerhin mangelte es insgesamt nicht an den Gesamtkalorien. Stress gab es zwischendurch für unsere männlichen Landsmänner, die sofort getadelt wurden, als sie sich erneut anstellten um eine weitere Portion zu ergattern. Wenn sie weiterhin so viel äßen, würden ihre Gastfamilien und die Organisationen davon erfahren. In der Tat reden wir hier von Jungs, die sich gerade im Wachstum befinden und sicherlich nicht von einem Teller Pommes mit Fisch satt werden.

Am ersten Tag noch wanderte meine Gruppe mit 2 Lehrern nach Cranbrook um eine Windmühle und ein Museeum zu besuchen. Das war nicht unbedingt spannend, aber zumindest kamen wir am Schluss an einem Supermarkt vorbei, bei dem wir uns mit sprudelndem Wasser eindecken konnten.

Tag 2 stand im Zeichen von verschiedenen Aktivitäten, wie etwa über eine wackelnde Brücke laufen, im Hochseilgarten klettern, Zip Lining und einiges mehr. Klingt vielleicht doof, aber diese Programmpunkte, die vor allem die Zusammengehörigkeit der Gruppe stärken sollten waren äußerst amüsant und insbesondere der Hochseilgarten war nicht ohne. Mit etlichen Seilen gesichert, mussten immer vier Leute auf eine Plattform, die ca. 10 Meter vom Boden entfernt war hochklettern. Der Mast auf dem sich diese Holzplatte befand wackelte schon vom hinsehen und stelllte sich als etwas beängstigend dar. Waren alle 4 Personen auf diesem halben Quadratmeter zusammen, bildete man einen „Kreis“, hielt sich an den Händen und lehnte sich zurück. Schön, schön jedoch war es nicht so einfach, da der Gewichts- und Größenunterschied von der intelligenten englischen Heather und dem netten Italiener Lorenzo doch nicht bedeutungslos war. So hielt unsere Konstruktion nicht sehr lange. Dennoch waren genau diese Spiele es, die uns alle dazu brachten, sich besser kennen zu lernen.

Location- und Atmosphären-Wechsel, heute nämlich war mein erster richtiger Schultag. Abgesehen davon, dass unser Schulbus um die 10 Minuten zu spät kam, Sidika einfach mal komplett verschlief und wir einen irrsinnigen Umweg fuhren, lief alles glatt. Im IB-Zentrum, das heute von der gesamten 12. Stufe ausgefüllt wurde , erhielten wir unsere Timetables (Stundenpläne) und mussten uns in eine Anwesenheitsliste eintragen (was jeden Tag Pflicht ist). Für mich standen heute TOK (Theory of Knowledge), sowie mein Higher Level (Leistungskurs) Theatre auf dem Plan, zunächst jedoch hieß es „Study Lesson“, also „Freistunde“. So frei ist das jedoch nicht hier in England. Während man in den Pausen sich austragen kann und dazu befugt ist, das Schulgelände zu verlassen, wird man in diesen unterrichtsfreien Stunden in der Schule festgehalten. War also nichts mit schön gemütlich in Canterbury frühstücken, wir setzten uns in den einzigen Raum der ganzen Schule, in dem Essen erlaubt war und warteten nahezu schon sehnsüchtig auf den Beginn unserer ersten Unterrichtsstunde, die um 10.40 Uhr (um 8.30 erreichten wir die Schule) begann. Thema der Stunde war die Frage, was genau Kunst sei, wie man diese definiere. Eine hitzige Diskussion entstand tatsächlich zwischen den englischen Schülern und einem Franzosen. Für die erste Stunde wollte ich mich lieber raushalten, bei der Unstimmigkeit, ob es Kunst sei, wenn ein Baby auf ein Blatt Papier krakelt, schaltete schließlich mein englischen Argumentationsvermögen ab, aber ich arbeite daran!

Meine letzte Stunde dann war mein Higher Level Standard in genau diesem Raum, in dem uns die Schulleiterin am ersten Tag versucht hatte einzureden, dass Kaugummi ein Produkt Satans sei. Mein Kurs ist eine Gruppierung aus ca. 8 Mädels, unterschiedlichster Art. Da heute Standard und Higher Level gemischt Unterricht hatten und etwa die Hälfte davon in meinem Leistungskurs sind, wird es ein Spaß, 200 Min in Woche A zu 4. zu arbeiten. Unsere erste Stunde bestand aus ein paar Spielen, die ich hier schlecht genauer erläutern kann, jedenfalls war es total verrückt, aber ebenso lustig. Laut Lehrplan werden wir verschiedene Theater-Arten der Welt durchnehmen, selber Theater spielen und uns viel mit der Prozedur eines Stückes beschäftigen (inklusive Drehbuch, Kostüme, Bühnenbild, etc.). Unsere Lehrerin (entschuldigt, mein Namensgedächtnis für Lehrer ist absolut mangehaft) ist noch ziemlich jung, aber wahnsinnig nett. Sie redet sehr deutlich und langsam, sodass ich gut folgen kann (ich erinnere nur an Mr. Nelson – Englischschreck lass nach!). In Theater sollen wir ein Journal, eine Art „Tagebuch“ führen mit all dem, was wir so machen und erleben in diesem Fach, es soll unsere Impressionen und Erfahrungen widerspiegeln. Dafür habe ich mir direkt bei Tesco ein Mickymouse- Ringbuch geholt, von dem ihr ein Foto in meiner Gallerie sehen könnt. Morgen früh beginnt meine Schule direkt mit einer Period of Theatre und ich kann jetzt schon sagen, dass das mein Lieblingsfach wird (-; . Ansonsten erwartet mich morgen English sowie Maths als Standard Levels, wobei es mir vor letzterem etwas graust. Abwarten!

Am Wochenende geht’s wohl wieder an den Strand und Samstag nach Margate, wo Sandstrand sowie ein Primark zu bestaunen gilt.

Seht euch unbedingt die Bilder von Swattenden in meiner Gallerie an, bevor ich meckert, ich stelle zu wenig Fotos herein.

Halte euch weiterhin auf dem Laufenden!

Cheers,

Bianca

PS: Für alle Lesefaulen beinhaltet dieser Eintrag nur 1370 Wörter statt wie letzte Beitrag satte 1896 :-)

*Achtung: übertriebene, veranschaulichende Darstellung

9.9.10 22:54


Warum Starbucks in England kein leichtes Spiel hat..

date: 4th of september | 13:54

 Zwei Tage Schule sind nun rum, das Wochenende ist bereits im vollen Gange. Genau dies ist mir seit 7.00 Uhr Ortszeit England bewusst, da Bron und Merris hiesigen Spaß daran finden, die Treppen schreiend hinauf und kreischen hinab zulaufen und dabei ein Stampfen von sich zu geben, als seien sie keine kleinen, zerbrechlichen Mädels, sondern hyperaktive Eichhörnchen auf Koffein. Die Hellhörigkeit des Hauses und die Tatsache, dass sich mein Zimmer quasi direkt unter der Treppe befindet, tut sein übriges. Aber ich möchte mich nicht beschweren, man gewöhnt sich irgendwann an den Lärm und er hindert mich auf alle Fälle daran, wie daheim schon mal bis 1 – 2 Uhr durchzuschlafen. Man muss alles positiv sehen. Und genau das kann ich hier auch. Exakt eine Woche habe ich bis jetzt hier in England verbracht und genau seit einer Woche finde ich alles überwältigend schön. Die Tatsache, dass hier eine Art Alltag schon von Beginn an herrschte, verleitet mich zu dem Gefühl, bereits seit mindestens einem Monat hier zu sein. Vielleicht wird dieses Empfinden aber auch von den vielen Eindrücken bestärkt, die auf mich niederprasseln ( und ja, an das auf der falschen Seite fahren habe ich mich gewöhnt! ). 

Barton Court Grammar School in Canterbury. Dieses Gebäude werde ich mir nun jeden Werktag ansehen müssen und so schlecht ist es gar nicht. Die Schule ist nicht so groß, wie meine Schule in Schwerte, aber anbei befindet sich zum Beispiel ein riesiges Fitnessstudio, das extra für die Schule gedacht ist. Für 98 Pound im Jahr haben Schüler die Möglichkeit, wann immer wir wollen, die Räumlichkeiten zu nutzen (welche zum einen aus dem Fitnessbereich mit Geräten besteht, zudem jedoch auch einen großen Tanzraum für Yoga, Tanz, Chi-Quang und was nicht alles sowie einer recht großen Sporthalle beinhaltet). Ansonsten gibt es ein IB-Zentrum hinter der Rezeption, eine große Mensa, die gleichzeitig die Aula darstellt, eine zweistöckige Bibliothek und einige Klassenräume, die kleiner und zugestopfter sind als bei uns, mich durch die vielen selbstgestalteten Blätter und Zeichnungen an den Wänden dazu noch an die Zimmer in meiner Grundschule erinnern. Alles in allem aber ziemlich schnuckelig, die Tafeln werden überall meist durch Beamer ersetzt (Hallo FBG, nehmt euch ein Beispiel daran! I mean, its England and ure Germany). Alle Schüler sind verpflichtet Schuluniform zu tragen, die im Prinzip aus Rock und Bluse oder Hose und Hemd mit Blazer besteht, auf welchem das Schulemblem prangt. Nur die Sixth Form, vergleichbar mit der Oberstufe, ist von der Uniform freigestellt und hat sich  an einen bestimmten “Dresscode“ zu halten. Um diese Kleiderordnung wird viel Tamtam  gemacht. Im Vorraus erhielten wir einen Zettel, auf dem die genauen Verbote über mögliche Kleidungsstücke zitiert waren. Zu diesen zählten z.B : zu kurze Kleider/ Röcke, offene Schuhe, ausgefallene Hairstylings, auffälliger Schmuck, übertriebenes Makeup, mit Logos bedruckte Shirts, kürzere Hosen (auch ¾, Piercings und Tattoos) „Wow“, dachte ich beim ersten Lesen in Deutschland. Ganz schön strenge Schule. Pappalapapp, Engländer scheren sich um diese Reglung, tragen weiterhin was ihnen gefällt (und genau dieses Styling beinhaltet mindestens 2 Stunden Arbeit vor Spiegel und Kleiderschrank – in der Tat ich fühle mich underdressed so ohne Makeup!). Die Lehrer? Sagen nichts dagegen, obwohl vor dem Eingang jeder auf sein Äußeres  geprüft wird. Zu den Rausgefischten gehören jedoch nur die Unterstufler, die ihre Krawatte falsch gebunden haben, oder einen zerknitterten Blazer tragen.

Ansonsten verliefen die beiden Tage von 8:40 bis 14:40 ganz entspannt. Es wurde viel Organisatorisches über das IB (den englischen Abschluss nach 2 Jahren). Es ist Pflicht Stunden in „Theory of Knowledge“ (kurz TOK) zu absolvieren. Unter TOK versteht man die Frage, woher wir wissen, was wir wissen und was uns genau so sicher macht. Alles höchste Psychologie, welche nicht einmal das seperate Fach „Psychology“ abdeckt. Was genau dieses Fach auf sich hat und was sie sich damit erhoffen, werde ich selbstverständlich weiterhin beobachten. Die Lehrer sind tatsächlich sehr nett. Erwähnenswert ist vielleicht Mr. Nelson, der den typischen Mittvierziger - Briten verkörpert. Er erinnert mich wahnsinnig an den englischen Schauspieler Hugh Grant. Allein die Mimik und wie er spricht. Apropos sprechen, das ist der Brite, den ich bis jetzt am wenigsten verstehen konnte. Der hat sich einen zusammengenuschelt und so ein Tempo draufgelegt, dass man kaum verstand, worüber er gerade gegrinst hatte, weil man ihm so schnell noch nicht folgen konnte. Hatte irgendwie etwas von Zeitverschiebung.

In meiner Stufe, Year 12, waren in den ersten Tagen nur die Hälfte der Schüler  da, weil der Rest eine Art Stufenfahrt nach Swattenden antrat, wo wir, Group B, Montag Morgen um half past 7 ebenfalls hinfahren werden.. Ob ich mich drauf freue? Naja, ich muss mir noch Wellies (Gummistiefel) kaufen um so Sachen wie Rafting zu überleben. Gibt schönere Dinge, die ich mir vorstellen kann, aber es ist auf jeden Fall eine gute Chance, um Kontakt zu den Engländern zu suchen und alle besser Kennenzulernen.

Mit dem Kontaktknüpfen ist das ohnehin so eine Angelegenheit, da nahezu die Hälfte des 12. Jahrgangs aus Deutschen bestehen. Hinzu kommen noch Italiener, Däninnen, eine Holländerin, eine Bulgarin und eine aus der Slowakei, das führt leider derzeit noch zu einer starken Gruppenbildung. Tag zwei sah dann schon besser aus, nachdem wir in Kleingruppen eingeteilt wurden und ich mit 4 englischen Jungs und Esther, der Holländerin, nach Canterbury gehen sollten. Eigentlich, so verlangte Ms Isaac, sollten die „Einheimischen“ uns die Stadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise die Kathedrale zeigen. Stattdessen setzten wir uns zunächst in den Park und wanderten dann weiter zu Starbucks. Starbucks. Das ist so ein Thema, wo ich die Engländer nicht ganz verstehen kann. In den USA wäre jener Coffeeshop in einer Stadt mit der Größenordnung und Popularität wie Canterbury proppenvoll gewesen. Nicht aber in ENGLAND. Kaffee ist für die Briten, so habe ich das Gefühl, eine merkwürdige braune Substanz, die auf den ersten Blick wie Tea auszusehen scheint, jedoch so garnicht danach riecht und schmeckt. Coffee halt. Und für den Briten ist das einfach zu exotisch, nicht traditionell genug. Tea gibt es natürlich auch in jedem Starbucks, doch wer zahlt schon gerne für simplen Schwarztee mit einem Schuss Milch 2,50 £, wenn er genau den identischen Tee an jeder anderen Ecke für 90 p bekommen kann. Nicht mit dem Engländer. So saßen wir da also zu sechst im Starbucks, Esther und Bianca schlürften schön ihren Cappuccino Skinny medium während 2 von den English Guys tatsächlich auf die gute alte heiße Schokolade mit Cream zurückgriffen, ein anderer trank einen extreeem süßen Karamell-Milchshake und der letzte, Nick, verzichtete einfach mal auf ein Getränk. Dennoch, die Zeit war ziemlich angenehm, die Leute ganz nett und selbstverständlich tut das meinem Englisch sehr gut.

 Kurz einen Rückblick auf die Hinfahrt zur Schule im School bus route 915. Das war jetzt schon 2 x ein Erlebnis. Im Gegensatz zu den deutschen Bussen, sind die englischen ziemlich altmodisch und dazu noch Doppeldecker. Die Deckenhöhe beträgt kaum 1,90 m, wodurch Philipp gezwungen wurde beim Eintreten und Verlassen des Busses, den Kopf fast im 90° Winkel abzuknicken (Klar, ich übertreibe, aber die Decke war schon seeehr sehr niedrig). Die Luft in den Bussen morgens früh ist unglaublich schlecht, die Scheiben schon beschlagen, wenn der Bus am Tescos in Chestfield, wo Kathi und ich einsteigen, hält.  Fenster gibt es, man glaubt Gott-sei-Dank, zu genüge in den Bussen. ABER, versucht man einmal, dieses zu öffnen, erhält man böses, schnelles, britisches Fluchen von hinten und das Klappfenster wird unsanft wieder zugeschlagen. Zu kalt vielleicht? Also bitte, Engländer(innen!!!) laufen ansonsten doch auch halbnackt rum, während ich Angst um meine Nieren habe. Aber nein, wir haben da keine Chance, scheinbar sind beschlagene Scheiben morgens früh ein gutes Omen, das einen etwas geringeren Niederschlag verspricht – wer weiß schon, was in englischen Köpfen abgeht! Straßen in Kent sind, insbesondere, wenn es etwas „ländlicher“ wird, total eng und man wundert sich jedes Mal, wie der Bus es bloß schafft, nicht an die andern Autos zu scharpen. Klar, vor den Ästen links hat der Busfahrer weder Respekt oder erbarmen, dafür ist das Fahrzeug aber auch schon ordentlich ausgebeult, schaut man einmal nach oben. Am zweiten Tag knackste es ganz heftig während wir durch eine Art Wald mit Straße fuhren und der Bus blieb stehen. Meine erste Vermutung war Achsenbruch, aber ich hab eh keine Ahnung. Zumindest taten die andern, mit Schuluniform Bekleideten wenig überrascht, sodass meine Vermutung darin besteht, dass ein solcher Vorfall keine Ausnahme zu sein scheint. Wir waren zunächst etwas geschockt, weil wir zu Fuß locker 45 Minuten gebraucht hätten um die Barton Court zu erreichen. Den andern folgend wartete jedoch bereits ein anderer Bus, in dem die Luft nicht minder besser war als im vorherigen. Busfahren in England? Ist schon irgendwie anders, wie so vieles.

 Gestern Abend waren Kathi, Sidika, Philipp und ich noch am Strand in Whitstable, wo man mit dem Fahrrad in nur 5 Minuten ist. Zwischen Sonnenuntergang und Meeresrauschen konnte man sich entspannt zurücklehnen und einander kennenlernen. Schöner Abend! Zurück mit dem Fahrrad (bzw. S & Philipp mit dem Bus, K neben mir zu Fuß ging es bergauf und dauerte etwas länger. Angst muss man hier in Whitstable nicht haben. Zwar ist alles ziemlich dunkel, aber einen sichereren Ort kann ich mir kaum vorstellen (um diese Uhrzeit meistere ich sogar einen englischen Kreisverkehr).

Nachher werde ich noch mit Sidika nach Canterbury fahren um mit Wellies zu besorgen und mal zu schauen, was ich mir noch so schönes kaufen kann (: Bis jetzt habe ich nämlich noch keine Klamotten gekauft und ihr sollt mich ja alle um Topshop, Primark, etc. beneiden.

Werde mich höchstwahrscheinlich erst Mittwoch nach meiner Swattenden-Fahrt melden. Wenn ihr irgendwelche Anmerkungen oder Fragen habt, schreibt mir unbedingt! Schließlich möchte ich schon gerne wissen, wie euch meine Berichte hier gefallen ;-) .

 

Lots of Love and see you later

Bianca xx

 

 

4.9.10 14:54


Sommer, Sonne, Sonnenschein, Meer und 16 °C

 date: 31st of August | 23:42 h

Jawoll, das Wetter war heute total großartig, der Himmel blau, die Sonne hat geschienen und für Engländer sind 16 °C viiiel zu warm um eine Jeans oder eine Jacke zu tragen. Wie auch immer, ich fands, in meinem Woll-Cardigan und einem Schal eingepackt, extremst angenehm, solang keine Wolke Schatten auf mich warf.

Soviel also vorab schon einmal zu den Engländern, die es wie kein anderes Volk beherrschen, die Vorurteile über sie komplett zu optimieren. Beginnen wir kurz mit einer Einführung über das Phänomen „Der Engländer“. Tatsächlich gibt es hier überall, und damit meine ich auch ÜBERALL dutzende Fish’n’Chips Shops, die selbstverständlich total gut besucht sind. Und auch das Klischee, der Engländer esse Sausages, Bacon, Eggs und Toast, konnte hier noch nicht widerlegt werden. Wenn es um die Etiquette geht, ist der Brite sehr pingelich, etwas übertrieben wird hier „Thanks“ „You’re welcome“, „Are you allright?“ gesagt. Aber auf eine sehr süße Art und Weise. Die Tatsache, dass hier auf der falschen Seite gefahren wird, dass tissue hier genauso klingt wie t-shirt, dass die wildesten muster bei der kleidung kombiniert wird und hier die Frauen halb nackt rumlaufen, ist einfach so. Hat aber etwas sehr charmantes.

Nun aber zu den Dingen, die hier passieren. Gestern also waren wir in Sandwich, wo ein „großes“ Festival in dem Park, wo Simon arbeitet, lief. Unter diesem Park muss man sich eine riesige Landschaft vorstellen, mit einigen Mountain Bike Strecken und sehr viel Grün. Im vorderen Bereich standen dann einige Büdchen, eine Bühne und mittelmäßige Kirmesattraktionen. Es war eher mäßig besucht, was Jo, als Provinzlerin direkt als „quite busy“ titulierte. Soso. Dort trafen wir uns mit einer anderen Hostfamily, die Hannah, auch Kompass-Teilnehmerin, als Student beherbergt (absolut nette Leute und ich hab mich gefreut, mal auf gleichaltrige (deutsche) Menschen zu treffen). Nach ewigem Hin und Her hatte jeder ein Fahrrad und einen megaschicken Helm. Ich sollte definitiv mehr Bilder schießen, aber meine Spiegelreflex ist einfach etwas unkomfortabel... Im Anschluss fuhren wir alle nach „Deal“, einer hübschen Stadt direkt am Wasser, wo es einfach nur kalt und windig war, um mal wieder einen Fish and Chips Store aufzusuchen. Da ich bereits Samstag Fish in Batter zum Dinner hatte, endschied ich mich für Mushrooms in eben diesem Bierteigmantel. Wären die nicht so fettig gewesen, hätte ich sie als astrein bezeichnet, so musste nach 2 Stck Jo den Rest essen. Mit dem Essen war das so ne Sache, da wir mit den Junkfood schlecht in den Pub gehen konnten, setzten wir uns einfach mal davor, bei gefühlten -218458374 °C. Klingt komisch, aber die Chips (Pommes) in meiner Hand hielten mich einigermaßen warm.

Heute war es dann soweit: Mein erster Besuch in Canterbury (again „quite busy“ ... ) und ich muss zugeben, eine wunderschöne Stadt, die zu Unrecht nur auf ihre Kathedrale reduziert wird. Sehr historisch, sehr süß und TOLLE GESCHÄFTE!!!! Seit dem Besuch ist mir sehr wohl bewusst geworden, wofür ich das von der Organisation vorgeschlagene bombastische Taschengeld brauche. In England laufen die Leute sowieso sehr viel stylischer rum als in Deutschland. Mode wird hier großgeschrieben, auch wenn ich manchen raten würde, auf einige Trends zu verzichten. In Canterbury, wo wie erwähnt auch meine Schule ist, haben wir dann mein Busticket gekauft. 17 Pounds hatte ich, akzentbedingt, dauernd verstanden und dies als einen humanen Preis für 4 Wochen gehalten. Nun ja, also holte ich 20 Pounds raus und wollte es der netten Dame an der Kasse geben, als Jo mir, wie einer Erstklässlerin erklärte „That’s 20 pounds. You need a lot more! SevenTY“. Hallo? In der Tat, die verlangen hier 70 £ , also umgerechnet 85 €uro für ein 30Tage Busfahrticket in ganz Kent. Schön und gut, “ganz Kent”, mit 3700 km² liegt diese Grafschaft nur ca 1000 km² über der Größe des Saarlandes. Wenn ich nach Hause komme, werde ich mich jedenfalls mit Sicherheit nicht mehr über die 25 € für mein Schokoticket beschweren. Danach waren wir noch kurz in einem Park in Canterbury und ich musste feststellen, dass zwischen den Engländern und ihren Parks eine ganz besondere Beziehung besteht. Die Anlagen sind viel sauberer, gepflegter als in Deutschland, der „englische Rasen“ grünt in vollster Pracht und tatsächlich werden die Grünflächen genutzt wie sonst was. Überall sitzen, insbesondere junge Leute, auf dem Boden. Sonnen, trinken Tea, machen Smalltalk oder lassen die Zeit einfach verstreichen. Ein Bild, für das ein Besuch in Engländer schon wert wäre (obwohl es tausend Gründe gibt, wieso man hier rüber kommen sollte :-) ).

Wieder zurück gabs Dinner. Und.. tam tam, mein erster Yorkshire Pudding, der extremst lecker war. Dazu Gemüse, Hähnchen und dazu Gravy, was eigtl nur eine dunkle Soße ist, dessen Konsistenz in der Dose jedoch eher Fisch- und Schildkrötenfutter ähnelt. Tatsächlich ist der Geruch auch identisch, nach dem Kochen jedoch, entpuppt sich das Ganze als normale Fertigsoße, wie man sie überall finden kann. Also nix mit Spukerei. Um 7 p.m. trafen sich dann alle deutschen Students bei der lokalen Ansprechpartnerin Rachel. Es hatte eher etwas wie ein Ferienausflug, als all die Deutschen (und es sind definitiv zu viele, das muss ich an Kompass definitiv bemängeln!), auf einmal da saßen. Uns wurde direkt verboten uns auf deutsch zu unterhalten  und einige Abläufe in Hinsicht auf die am Donnerstag startende Schule erläutert.

Morgen geht es an den Strand, worauf ich mich ziemlich freue, immerhin leben wir hier am Meer und ich bin nur mit dem Auto dran vorbei gefahren. (Liebe Isa, hier gibt es dutzende Windsurfer, die Wetterbedingungen sind optimal. Tolle Windstärken, kleinere Wellen und eine unglaubliche Weite. Die würde es gefallen ;-) .) Allerdings muss ich sagen, dass ich endlich zur Schule möchte, einfach um die Leute kennenzulernen, mit denen man nett was unternehmen kann. You know what I mean. So weit sieht es hier aus, also alles mehr als klasse. Vielleicht lässt sich noch kurz erwähnen, dass ich es hasse, wie die Engländer meinen Namen aussprechen. Ich meine Biääänca hat nicht gerade etwas hübsches an sich. Jeder Italiener würde in Ohnmacht fallen :P

Ich melde mich, wenn ich den ersten Schultag gut überstanden habe.

Cheers (Das sagen dir hier wirklich statt „Bye“. Klingt wie ne Mischung aus Cheers und Tschüß. Also etwa wie „Cheese“ (dt.: Käse) )

 xx Bianca

1.9.10 00:42


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